„Es war mehr als eine Reise wert. Das Hotel ein Erlebnis. Die lokalen Führungen nur Gewinn. Das Thema "Immigration" gelungen und bestens umgesetzt, die Mahlzeiten köstlich. Nie Stress, nie zuviel.“ (Raffael Wieler und Verena Wieler Bloch, August/September 2011)
Themen unserer Reise in die großartigste Stadt:
● Stadt der Immigranten
● Das jüdische Manhattan: Die Lower East Side
● Das ukrainische und polnische New York: East Village und Greenpoint
● Chassiden in Brooklyn
● Coney Island, Brighton Beach, Little Odessa: Juden, Russen, Ukrainer am Atlantik
● Die soziale und politische Situation: Besuch eines Sozialprojekts
● Literatur aus und über New York
● Zu Beginn und Ende der Reise gibt es Zeit für Erkundungen der "klassischen Sehenswürdigkeiten", Museumsbesuche, Shopping und Entdeckungen auf eigene Faust
● Kompetente Gesprächspartner liefern Informationen aus erster Hand
● Ukrainische, polnische, russische und jüdische Küche zeigen die kulinarische Seite des Ostens im Westen
Nachdem der Florentiner Giovanni da Verrazano 1524 als erster Europäer die von Native Americans besiedelte "hügelige Insel" Manna hatta (oder Menatay) gesehen hatte, verging fast noch ein Jahrhundert bis der Engländer Henry Hudson nach einer Erkundungsreise 1609 seine niederländischen Arbeitgeber für die Neue Welt zu interessieren vermochte. Nach einem zweifelhaften Deal kam die Insel mit ihrem kleinen Hafen "Nieuw Amsterdam" 1626 in den Besitz der Niederländischen Westindien Kompanie. 1646 wurde gegenüber eine weitere Siedlung namens Breukelen (heute Brooklyn) gegründet. Handel (Tabak, Pelze, Sklaven), Korruption, Verfall, Konflikte mit den Einheimischen bestimmten das frühe Bild der Insel, in die ab 1647 Peter Stuyvesant Ordnung und Dynamik bringen sollte. 1664 kapitulierte er vor den englischen Kriegsschiffen. Aus Nieuw Amsterdam wurde New York. Der Handel blieb auch in der nun englischen Kolonie weiter bestimmend, die Stadt zog Menschen vieler Nationalitäten an, teils Glücksritter und Spekulanten, teils in ihrer alten Heimat Bedrängte und Verfolgte.
Die zunehmende Unzufriedenheit der Kolonisten mit der englischen Steuerpolitik mündete schließlich in den Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 unter dem Oberbefehl des späteren ersten US-Präsidenten George Washington.
1810 war New York mit 100.000 Einwohnern zur größten Stadt des jungen unabhängigen Staats geworden - einen wichtigen Dynamisierungsschub hatte die Gründung der Börse an der Wall Street 1792 ausgelöst - und dehnte sich immer weiter Richtung Norden aus, ab 1811 nach dem Prinzip eines durchnummerierten Gitternetzes unter Ausnahme eines alten Indianerpfades: des Broadway.
Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs 1865 begann die Industrialisierung, New York wurde zur Verwaltungsmetropole der neuen Bank- und Industrieimperien.
In Europa löste die Industrialisierung große soziale Umwälzungen aus, viele Menschen wurden mittellos und suchten ihr Glück in der Emigration in die Vereinigten Staaten. Um den Ansturm besser kontrollieren zu können wurde 1892 auf Ellis Island eine zentrale Empfangsstation mit Internierungslager errichtet. Bis zur Schließung im Jahre 1954 durchliefen 12 Millionen Immigranten die Insel im New Yorker Hafen. 40% der heutigen US-Einwohner stammen von ihnen ab. Noch vor dem Höhepunkt der Immigration im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. hatten sich 1898 die fünf unabhängigen Boroughs Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens und Richmond (seit 1975 Staten Island) zu New York City (NYC) zusammen geschlossen, das mit 3,5 Mio. Einwohnern zur größten Stadt der Welt wurde.
Allein zwischen 1899 und 1910 wanderten 9,5 Mio. Menschen in die USA ein, viele von ihnen ließen sich in NYC nieder. Die mit Abstand größte Gruppe (1,9 Mio.) kam aus Süditalien, darauf folgten Juden (1,1 Mio.), Polen (950.000) und Deutsche (750.000).
Die Gesamtzahl der zwischen 1881 und 1910 eingewanderten Juden betrug 1,5 Mio., zwei Drittel von ihnen kamen aus dem zaristischen Russland, viele auf der Flucht vor Pogromen und Antisemitismus. Die restlichen jüdischen Immigranten stammten aus verschiedenen (überwiegend ost-)europäischen Ländern, viele aus Galizien. Bei ihnen stand, wie bei ihren nichtjüdischen Mitemigranten, das Entkommen aus der wirtschaftlichen Misere als Auswanderungsmotiv im Vordergrund. Im zuletzt angeführten Zeitraum waren auch einige Hunderttausend Ukrainer zur Verwirklichung des Amerikanischen Traums in der Neuen Welt angekommen.
Die große Mehrheit der jüdischen Immigranten fand eine erste Bleibe unter ärmlichsten Lebens- und Arbeitsbedingungen in den entstehenden Mietskasernensiedlungen (Tenements) der Lower East Side (LES). Teilweise nahmen sie dort Plätze früherer irischer und deutscher Einwanderer ein, die, sobald sie es sich leisten konnten, aus "Klein Deutschland" an die Upper East Side zogen. Ebenso verabschiedeten sich die meisten Juden, hatten sie sich bescheidenen Wohlstand erarbeitet, von der LES. Viele zogen nach Brooklyn, wo Juden heute 40% der weißen Bevölkerung stellen. Das jüdische Leben in der größten jüdischen Stadt der Welt (ein Viertel der 8 Mio. Einwohner New Yorks) ist wie NYC selbst: extrem vielfältig und unglaublich bunt. Die sehr verschiedenen jüdischen Schicksale hat der 1935 aus Polen in die USA eingewanderte spätere Nobelpreisträger Isaac B. Singer in seinen Romanen und Erzählungen beschrieben.
Polnische und ukrainische Neuankömmlinge siedelten sich überproportional im nördlich an die LES angrenzenden East Village an, es entstand eine "Little Ukraine". Bis heute finden sich dort religiöse, kulturelle und kulinarische Einrichtungen der beiden Gruppen.
Anders als der große Dichter Josef Brodski, der in Manhattan Wohnung nahm, ließen sich viele Emigranten aus der Sowjetunion der 1970er/80er Jahre in Brighton Beach am Atlantik nieder und schufen "Little Odessa". In manchen Straßen hört und liest man ausschließlich Russisch, weswegen die Bewohner im Allgemeinen für "Russen" gehalten werden, auch wenn sie keine sind. Auch in Deutschland glauben ja viele, Odessa läge in Russland.
Trotz der weit restriktiveren Einwanderungspolitik nach der großen Welle zu Beginn des 20. Jh. bleibt NYC bis heute eine Stadt der Immigranten. Im 20. Jh. kamen sehr viele Menschen aus Asien und Lateinamerika und trugen das ihre zur einzigartigen New Yorker Mischung bei. Je nach den politischen Verhältnissen in Europa suchten auch immer wieder größere Gruppen aus der Alten Welt Zuflucht in den USA: Verfolgte der Sowjetmacht und des Naziregimes, Kriegsflüchtlinge aus Jugoslawien und andere.
Wir konzentrieren uns bei unseren New York Erkundungen auf die osteuropäisch-jüdischen Anteile, vergessen dabei jedoch nicht, dass die Besonderheit der Stadt aus ihrer kaum zu überblickenden Vielfalt besteht. Wie die kroatische Schriftstellerin Dubravka Ugrešić schrieb: "Ich gehe hin und schalte mich in den onirischen Blutkreislauf von Millionen verstorbener Träumer ein, sie murmeln mir in allen Sprachen der Welt, ich bin Jüdin, Polin, Schwedin, ich bin Afrikanerin, Russin, Italienerin, ich bin weiß, schwarz und gelb." Der deutsche Schriftsteller Hermann Kesten fand etwas rauhere Worte: "Wie die Autos stoßen Europa und Asien und Afrika zusammen, die Karambolage heißt New York."
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